Das Musikmagazin "bluesnews" (Autor: Frank Horn) schreibt:
Was dem Franzosen seine drei Musketiere, das sind dem Sauerländer die Lonesome Groovers - hüben wie drüben unermüdlich in guter Mission unterwegs. Doch der Reihe nach: Hinter den Groovers verbergen sich der hiesigen Blueswelt wohl bekannte Gesellen: Am Mikro schwitzt der britische Schwiegermutter-schreck David C. White (D.C. & The Cruisers), ihm zur Seite stehen - oder vielmehr sitzen - die Gitarreros Thomas Hesse (PeeWee Bluesgang) sowie Andy Mester, der schon in beiden vorgenannten Combos zu Hause war bzw. ist. Sonst eher der raueren Gangart verpflichtet, gönnen sich die drei Musiker mit ihrem jüngsten Baby eine Ruhepause vom üblichen Voll-auf-die-Pauke-und-alle-durcheinander-Radau: Hier gibt's abgespeckte, rein akustisch eingespielte Interpretationen von Bekanntem sowie weniger Bekanntem, und das auf die sanfte Tour. Und siehe da, die allesamt nur beinahe gertenschlanken Vollblutblueser reduzieren sich aufs Köstlichste! Heimisch ist das gewichtige Barhockertrio im sauerländischen Iserlohn. Dort steht auch die in Zeiten leerer Klingelbeutel finanziell angeschlagene Bauernkirche, das älteste Gotteshaus weit und breit. Ebenda begaben sich die Groovers am letztjährigen Vorweihnachtsabend zu einem Benefizkonzert in den Dienst der guten Sache und entlockten 350 begeisterten Zuhörern eine erkleckliche Spende zur Rettung des von der Schließung bedrohten Gemäuers. Von jenem denkwürdigen Event kündet diese Live-CD. So durfte hochoffiziell im festlich geschmückten Hause des Herrn auf der Fährte des Blues, Soul und Rock lustgewandelt werden. Majestätisch thront das Triumvirat auf dem Coverfoto vor einem in Kerzenlicht getauchten Altar, einzig ein kariertes Hemd verbietet den sich aufdrängenden Vergleich mit den drei Weisen aus dem Morgenland. Nahezu königlich zieht man sich aber aus der Affäre, wenn es ums Musizieren geht. Hesse und Mester zählen sicherlich beide zu den besseren unter deutschen Bluesgitarristen, glänzen aber hier an 12-seitigen Akustik-Klampfen auch in für sie ungewohntem Liedgut. Das für die CD auf 15 Songs geschrumpfte Repertoire könnte abwechslungsreicher kaum sein und umfasst Entliehenes von Elmore James, Otis Rush, Creedence Clearwater Revival bis hin zu Cat Stevens, Tom Petty oder U2. Die hellsten Momente haben unsere drei Kirchgänger jedoch bei den auf leichtes Gerät umgetrimmten Soul-Nummern großer Shouter wie Arthur Alexander oder Al Green. Wird solches Kaliber sonst von Unplugged-Bands doch meist gemieden, jagt einem hier die hohe Sangeskunst von Mister White spätestens bei Curtis Mayfields "People Get Ready" eine Gänsehaut über den Rücken. Selbst die olle Kamelle "Stand By Me" wird noch mit Genuss gelutscht. Keine Frage, David C. White liest ein packendes Evangelium! Spiel und Gesang sind also formidabel, was bestimmt nicht nur am himmlischen Beistand der Kirchenväter gelegen haben dürfte. Es lässt sich sauber an mit diesem Plattendebüt und der Hörer schreit nach mehr. Eigene Songs des Trios sollen in Arbeit sein, wir bitten höflichst um zügige Fertigstellung. Wo immer die Lonesome Groovers bis dahin auch auftreten mögen - einsam werden sie nicht lange bleiben, weil einfach zu gut. Bis zum nächsten Gig tröstet diese bärenstarke Scheibe, und zwar sowohl zum alleinigen Immer-wieder-lauschen als auch bei der Massenbeschallung des nächsten Fetenpublikums. Das wiederum unterscheidet die drei geselligen Westfalen übrigens dann doch von den außer Athos wenig feierfreudigen Musketieren: Bei den Groovers sind sie alle durstig, so ist es schließlich alter Brauch im Sauerland. Wohlsein!
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